Familie

Kindheitserinnerungen vs. Karneval in Berlin

Hier in Berlin wird nicht viel Karneval gefeiert. Einen Tag Faschingsfeier in der Kita, mal an Rosenmontag, mal am Dienstag – mehr bekommen meine Kinder von der ganzen Feierei nicht mit. Meine Wurzeln aber liegen im Rheinland und ich kenne den Karneval seit meiner Kindheit und es tut mir mehr als nur ein bisschen leid, dass meine Kinder das Karnevalfeiern nicht so erleben wie ich früher.

Aufgewachsen bin ich in Ostwestfalen, auch nicht gerade bekannt als Karnevalshochburg, aber im Vergleich zu Berlin noch mitten drin im Geschehen! Es wurde Weiberfastnacht gefeiert, an Rosenmontag gab es schulfrei, es gab diverse Karnevalsumzüge, später auch Karnevalssitzungen und wir Kinder sind verkleidet von Tür zu Tür gezogen und haben gesungen „Ich bin ein kleiner Kasper, hab auf’m Bauch ’n Pflaster, hab auf’m Bauch ’n Pin, rat mal wer ich bin!“

Na, wer kennt den Spruch noch? Wird der heutzutage noch aufgesagt?

Am Karnevalssonntag sind meine Eltern immer mit uns „nach Hause“ gefahren, zur Familie. Meine Oma hat frische Mutzen gebacken, wir haben sehnlich darauf gewartet, dass d’r Zoch kütt und dann mit großer Begeisterung Kamelle gesammelt. Als Teenie durfte ich dann auch Freundinnen mitnehmen und wir haben nach dem Umzug in der Stadt weiter gefeiert.

Als ich vor ein paar Jahren einige Zeit in Köln gearbeitet habe und an Weiberfastnacht mit meinen Kollegen losgezogen bin, habe ich alle schwer beeindruckt, denn ich konnte sämtliche kölsche Karnevalslieder textsicher mitsingen!

Ja, ich habe sehr schöne Erinnerungen an den Karneval. Dass meine Kinder all das so nicht erleben werden, stimmt mich mitunter ein bisschen wehmütig.

Natürlich weiß ich, dass meine Kinder später andere Erinnerungen haben werden. Vieles, was meine Kinder heute erleben dürfen, gab es eben in meiner Kindheit so nicht.

Natürlich weiß ich, dass es an uns Eltern liegt, unseren Kindern Kindern solche Erinnerungen zu ermöglichen. Wir geben uns viel Mühe, unseren dreien schöne gemeinsame Erlebnisse zu bieten, an die sie sich später werden erinnern können. Und es müssen ja nicht ausschließlich solche Feste sein, wie Karneval oder Halloween, auch kleine und alltägliche Rituale können zu schönen Kindkeitserinnerungen werden.

Und selbst wenn meine Kinder die Möglichkeit hätten Karneval zu feiern, vielleicht würden sie alldem gar nichts abgewinnen können – wer weiß das schon? Mein Mann jedenfalls vermisst den Karneval kein Stück.

Aber falls ihr euch fragt, wer sich eigentlich heutzutage noch die Karnevalssitzungen im Fernsehen ansieht: ich! Aus reiner Nostalgie. Um mal wieder die kölsche Mundart zu hören. Um in schönen Erninnerungen zu schwelgen. Um ein bisschen wehmütig sein zu dürfen!

In diesem Sinne: Ich wünsche allen Jecken da draußen eine tolle Karnevalszeit! Habt viel Spaß!

3 thoughts on “Kindheitserinnerungen vs. Karneval in Berlin”

  1. Mir ist es ganz genau so ergangen, obwohl ich „nur“ aus dem Rheinland nach Ostwestfalen gezogen bin. Einmal im Jahr hatte ich Heimweh und zwar Karneval. Heute freu‘ ich mich über jeden kleinen Kasper, der Rosenmontag an meiner Türe schellt. 🤡

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